Digital RecyclingVirtuelle Wiedergeburt
Ralf Fritz Berger |
Ralf Fritz Berger, "Ich war", Fotographie, lim. Auf., 30 x 25 cm, C-Print auf Papier, 2025 |
Herzliche Einladung zur Eröffnung Freitag, 27.Juni 2025 18-20 Uhr
Dauer der Ausstellung: 28.6. - 20.7.2025 Besichtigung nach Vereinbarung
Die letzte Ausstellung vor den Sommerferien und die letzte Ausstellung in diesen Räumen! |
„Es gibt kein Original. Nur Simulationen."— Jean Baudrillard
Ein Laut. Eine Stimme. Ein Glas. Im Jahr 2018 ruft der Künstler das chinesische Wort für „Ich" (wõ) in ein Sturzglas. Verschlossen wird der Klang - konserviert wie ein Relikt. Phonetisch hört sich das Wort „wö" an, wie das englische „war" - Krieg. So wird das Subjekt zum Konflikt, das Ich zum Potenzial für Gewalt.
In der Arbeit „Ich war" wird dieses Glas fotografisch als analoges Polaroid dokumentiert. Eine Kl liest dieses Foto, beschreibt es, erzeugt ein neues digitales Bild. Dieses wiederum wird erneut als Polaroid vom Bildschirm abgelichtet. Dieser Zirkel zwischen Analogem und Digitalem wiederholt sich 23-mal.
Was entsteht, ist eine Kette von Reproduktionen - jede ein Verweis, eine Mutation, ein Schatten des Ursprungs. Es ist ein Kampf um Realität, um das, was bleibt, wenn Identität, Medium und Material sich auflosen.
Die 23 ist ein semantisches Fragment. In der Numerologie ist sie die Zahl des Übergangs und der Veränderung und steht seit William S. Burroughs für verborgene Zusammenhänge. In der Bibel beschreibt Psalm 23 eine Passage zwischen Leben und Tod und in der Arbeit „Ich war sind es die 23 analog/digitalen Chromosomenpaare der DNA eines Ichs zwischen Identität und Reproduktion. Der Zerfall des Originals in Erscheinungen. Ritualisierte Schöpfung und Verlust des Subjekts zugleich. Was passiert mit dem Menschen, wenn Technik seine Sprache, seine Bilder und seine Realität erzeugt? Die Stimme des Menschen ist hier noch Ausgangspunkt - doch das Resultat ist eine Welt, die vom Algorithmus erschaffen wurde.
„Der Cyborg ist keine Metapher - er ist unser Spiegelbild." — Donna Haraway, A Cyborg Manifesto.
"Ich war" ist kein technologisches Spiel, sondern eine poetische Kritik an der Reproduzierbarkeit des Digitalen, an der Auflösung von Identität im Datenstrom, an der Gleichgültigkeit gegenüber dem Ursprung. An der Frage des Ursprungs selbst.
Was ist das Original? Was ist die Referenz im Digitalen: Wann ist ein Bild real? Wann verliert Sprache ihren Ursprung? Und wer spricht am Ende?
Wie Baudrillard formuliert: „Die Simulation ist nicht das Falsche, das das Wahre verdeckt - sie ist das Wahre, das es nie gab." Und vielleicht, tönt es, ganz leise, aus einem versiegelten Glas: „Ich war"
Ralf F. Berger
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